Vegane Kinderernährung: Groß werden ohne Milch und Eier, geht das überhaupt?

Vegane Kinderernährung: Groß werden ohne Milch und Eier, geht das überhaupt?

Vegane Ernährung ist für Kinder gefährlich, sagen die einen. Doch wer über das nötige Fachwissen verfügt, kann seinen Nachwuchs durchaus gesund und ausgewogen ernähren, glauben die anderen. Mamas Meal-Bloggerin Marion Jetter über ihre Erfahrungen mit veganer Kinderernährung.

Letzte Woche war meine Tochter zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Ich kontaktierte die Mutter, um das Übliche wie Geschenkewünsche, Partymotto und Abholzeit abzuklären, wurde dann aber in eine ziemlich ausgiebige Diskussion über vegane Kinderernährung verwickelt. „Du brauchst Dir keine Gedanken zu machen, ich backe extra vegane Schoko-Muffins.“ beschwichtigte mich die Mutter. „Und ach ja, noch etwas: leidet Deine Tochter unter einer Laktoseintoleranz? Wir machen nach der Schnitzeljagd nämlich noch einen Abstecher in die Eisdiele? Aber die haben seit letztem Sommer auch Sojamilcheis im Angebot.“ kam gleich im Anschluss. „Nein, wir haben keinerlei Probleme mit tierischen Lebensmitteln.“ erklärte ich und fragte höflich nach, ob dieser Aufwand tatsächlich notwendig sei. Schließlich kann ich mich nicht erinnern, dass meine Mutter zu meinen Geburtstagsfeiern eine Auswahl an verschiedensten veganen und nicht veganen Kuchen gebacken hätte. Zudem halte ich persönlich nichts, von einer rein veganen Ernährung im Kindesalter. Denn wer sich nicht wirklich gut auskennt, riskiert womöglich langfristige Schädigungen bei seinem Kind.

 

Manche Kinder wachsen ohne Fleisch, Milch und Eier auf, weil ihre Eltern es so wollen.

Anouk trinkt keine Kuhmilch, weil Kuhmilch den Kuhbabys gehört. Selbstverständlich isst sie auch keine Eier, denn die gehören den Hühnern. So einfach ist das für die 7-Jährige. Und auch Käse, Butter oder Joghurt sucht man auf dem Speiseplan der Familie genauso vergeblich wie Wurst und Honig. Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht eine streng vegane Ernährung für Kinder genauso kritisch, wie ich: „Um eine adäquate Nährstoffversorgung und die Gesundheit des Kindes sicherzustellen, ist eine rein pflanzliche Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im gesamten Kindesalter nicht geeignet.“ so ihr Urteil.

Wissenschaftler warnen: Kinder vegan zu ernähren ist tabu!

Rückendeckung bekommt die DGE auch von Mathilde Kersting vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKI). „Besser als mit einer „optimierten Mischkost“ kann man sein Kind nicht ernähren.“ rät die Professorin und empfiehlt Fisch, Milch und Fleisch, um den Bedarf an Eiweiß, Vitamin B12 , Vitamin D, Eisen und Zink zu decken. Fehlen sie, kann es bei Kindern zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Blutarmut kommen. Und auch Jod (in Fisch) und Omega-3-Fettsäuren (in Eiern) brauchen unsere Kinder dringend für ihre Gehirnentwicklung. Studien haben gezeigt, dass ein Mangel in frühen Entwicklungsphasen zu einer verminderten Intelligenz führen kann. „Das ist später nicht mehr zu kompensieren.“ warnen die Ernährungsexperten.

Fachwissen ist unbedingt nötig

Eltern, die sich trotzdem für eine vegane Ernährungsweise entscheiden, brauchen in jedem Fall das nötige Fachwissen um Schädigungen bei ihrem Kind zu vermeiden. Dieses kann man sich beispielsweise auf der Homepage des Forschungsinstituts für Kinderernährung www.fke-do.de der DGE www.dge.de aneignen.

Informativ sind auch „Das vegane Familienkochbuch“ von Jasmin Hekmati, 24,90 €, Ars Vivendi Verlag und „Meine Familie isst vegan“ von Helene Holunder, 19,99 €, Thorbecke Verlag. Wer gerne bäckt, findet in dem Buch „La Veganista backt“ und von Nicole Just, 19,99 €, GU Verlag, jede Menge leckere Rezepte.
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Fazit:

Ich rate Euch zu einem regelmäßigen Besuch beim Kinderarzt. Der kann einen eventuellen Nährstoffmangel bei Eurem Kind ausschließen und Euch sagen, worauf Ihr achten müsst: z.B. wie man pflanzliches Eiweiß (in Vollkornprodukten, Soja oder Hülsenfrüchten) optimal kombiniert, die Eisenverwertung durch Vitamin C (z.B. in Orangensaft) verbessert oder warum, ein „Flexi-Tag“ ein- oder zweimal pro Woche ein sinnvoller Kompromiss ist.

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Marion: „Der Kindergeburtstag und auch die veganen Schoko-Muffins kamen bei den Kindern (einschließlich meiner Tochter!) übrigens super an. Aus diesem Grund habe ich mir für Euch gleich mal das Rezept geben lassen.“

 

 Rezept „Vegane Schokomuffins“iStock_000013128250_Large

Für 12 Stück

Zutaten

70 g Bitterschokolade
300 g Dinkelvollkornmehl
1 TL Natron
1/2 TL Vanillepulver
70 g Agavendicksaft
30 ml neutrales Pflanzenöl
1 TL Weißweinessig
150 g Sojaghurt (natur)
200 ml Sojamilch

Zubereitung

1. Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Mulden eines Muffinblechs fetten oder Papierförmchen hineingeben.

2. Für den Teig die Schokolade grob hacken. Die übrigen Teigzutaten rasch zu einem glatten Teig verrühren und die gehackte Schokolade unterheben.

3. Den Teig auf die Mulden des Muffinblechs verteilen und die Muffins im Backofen 12–15 Minuten backen, herausnehmen und auskühlen lassen. Nach Lust und Laune glasieren und / oder verzieren.

Zeit

25 Minuten

Fotos: iStock.com/lightAndDayImages und skynesher; privat, PR (Ars Vivendi Verlag, GU Verlag, Thorbecke Verlag)

Ein Kommentar

  1. Super Seite, danke für die Informationen. Es ist wichtig das es unsren Kindern gut geht. Immerhin sind sie unsere Zukunft.

    Gruß Sandra

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